
Vorwort und Nachwort von Dr. med. Hans Greuel
Über die Biomentale Therapie bei Hörsturz, Morbus Menière und Tinnitus habe ich einige Aufsätze und Bücher geschrieben und Vorträge gehalten. Nur ein Zufall, der sich 1981 ereignete, nämlich die Heilung eines Patienten innerhalb von zwanzig Minuten (siehe Veröffentlichungen), schenkte mir einen bisher einzigartigen Erfahrungsschatz durch die Behandlung von mehr als 15.000 Patienten mit dieser Therapieform. Die anfänglich nur vermuteten Erfolge von 80% bei konventionell erfolglos austherapierten Patienten, also mit länger zurückliegenden Erkrankungen, haben sich in dem Forschungsbericht 214 b Sozialforschung des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung bestätigt. Ein neutrales Forschungsinstitut (BOSOFO, Bochumer Sozialmedizinische Forschung) hat die Angaben der behandelten Patienten ausgewertet und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß 76-93% dieser befragten Personen die Biomentale Therapie als bei ihnen erfolgreich bestätigten. Ich selbst war überrascht über diese hohe Zahl und hegte den Verdacht, daß eben doch nur ein ausgewählter Personenkreis meine Praxis aufsuchen würde, und daß es sich dabei um leichter zu behandelnde Patienten handeln könnte. Das hätte der Grund dafür sein können, warum die Patienten in meiner Praxis und in der Untersuchung nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung waren und sind. Einige Jahre zuvor allerdings hatte ich schon behauptet, daß nicht die Gesamtbevölkerung gleichermaßen an diesen Störungen erkranken kann, sondern nur bestimmte Personen aus bestimmten Gesellschaftsbereichen (Familienstand, berufliche Stellung) mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und Belastungen. Es stellte sich durch Untersuchungen in normalen HNO-Kassenpraxen heraus, daß auch die dorthin zur Untersuchung und Behandlung kommenden Patienten mit Hörsturz, Tinnitus und Morbus Menière genauso wenig repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind wie die in der Untersuchungsgruppe, und daß auch die berufliche Stellung und der Familienstand, verdeutlicht durch die Tabellen (Abb.7 und 8) des Forschungsberichtes, mit denen der Patienten einer Kassenpraxis übereinstimmen. Daraus ergibt sich die eindeutige Aussage, daß die Ergebnisse, die mittels der in meiner Praxis untersuchten Patienten errechnet wurden, auf die Allgemeinheit zu beziehen sind. Kurzum, 76-93% der Patienten, je nach Hörstörung, sind demnach in der Lage, nachdem sie mit der Biomentalen Therapie behandelt wurden und das Biomentale Training praktizieren, ihre Beschwerden deutlich zu verringern oder auch ganz zu beseitigen. Das bezieht sich auf Schwindel, Ohrgeräusche und Hörschäden.
Tinnitus ist also neben menière’schem Schwindel und Höreinbußen, wie Sie lesen werden, heilbar. Das ist die wichtige Botschaft, die wir den betroffenen, entmutigten und hoffnungslosen Menschen vermitteln wollen. Diese Botschaft ist für viele existenziell wichtig, weil immer wieder versucht wird, den Betroffenen den Stempel der lebenslänglichen Behinderung aufzudrücken und sie zu entmutigen, denn sie müssen oft auch von angeblich fachlicher Seite hören, daß Ohrgeräusche und besonders sogenannte chronische, d.h. seit drei Monaten bestehende Ohrgeräusche nicht heilbar seien. Das kann die Betroffenen in ihrer Verzweiflung sogar zum Selbstmord treiben. In diesem Buch kommen Personen zu Wort, die seit mehreren Jahren unter den genannten Beschwerden gelitten haben und trotz aller Unkenrufe, wie "damit müssen Sie leben" oder "es kann niemals besser, eher schlimmer werden" oder "entweder lernen Sie, damit zu leben, oder Sie müssen aus dem Fenster springen", beschwerdefrei wurden. Die Erfolge der Biomentalen Therapie sollen nicht für sie selbst werben, sondern für die Richtung, in der gedacht und gehandelt werden muß. Unter bestimmten Voraussetzungen haben die richtige Information, die Hoffnung, die Erkenntnis und die Vernunft bereits in vielen Fällen zur Spontanheilung geführt.
Meine Anerkennung und mein Dank gilt denen, die ihre ganz private Krankheitsgeschichte in die Öffentlichkeit tragen, nur um anderen zu helfen, indem sie Hoffnung und Mut machen. Es handelt sich, wie ich oben dargestellt habe, dabei nicht um Ausnahmen, sondern um den typischen Krankheitsfall, damit auch jeder Betroffene das Überwinden einer Lebenskrise auf sich beziehen kann.
Tinnitus ist heilbar!
Tinnitus ist nicht heilbar, wenn das Ohr behandelt wird.
Das bestätigen auch die Ohrenärzte mit den Worten: "Mit einem Tinnitus muß man leben lernen".
Warum? Weil sich die Störung nicht im Ohr befindet, sondern in einem Reflexgeschehen in verschiedenen Körper- und Gehirnbereichen, das sich im Ohr in Form eines Geräusches äußert. Tinnitus ist keine biologische Hardware-, sondern eine biologische Softwarestörung. Das bestätigt Dr. med. Hans Greuel, der die Biomentale Therapie seit 1981 entwickelte und seitdem ungefähr 20.000 Patienten behandelt hat. Das bestätigen auch die mit ihm zusammenarbeitenden Kollegen verschiedener Fachgebiete und die Patienten, die es selbst erlebt haben und von denen einige bei den Freunden & Förderern der Biomentalen Selbsthilfe (F&FBS) sind.
Tinnitus ist nicht heilbar, wenn man lernen will, mit ihm zu leben.
Das bestätigen verschiedene Tinnitus-Kliniken, die scheinbar Neues anbieten aber in Wirklichkeit dem alten Denken verpflichtet sind, daß Tinnitus nämlich eine unheilbare organische Störung unbekannten Ursprungs sei.
Man darf nicht lernen wollen, mit Tinnitus zu leben, weil man dann lernen würde, auf einem Pulverfaß sitzenzubleiben. Die Mitglieder einiger Selbsthilfegruppen sind leidendes Beispiel dafür, daß man nicht lernen darf, mit einem Tinnitus zu leben. Denn er wird in der Regel stärker und schlimmer, das Hörvermögen kann darunter leiden und schwerwiegendere Erkrankungen wie Schlaganfall werden provoziert. Warum? Weil Tinnitus ein Warnsignal ist, das auf sich aufmerksam machen will. Seine Aussage ist offensichtlich: "Du steht unter Druck!". Es gilt also zu lernen, den Druck abzubauen und belastbarer zu werden. Auch wenn der anfängliche Druck nicht mehr da ist, das Ohrgeräusch aber immer noch, hat eine Konditionierung stattgefunden. Das heißt, die organische Anspannungssituation wird durch geringste Reize aufrechterhalten und verstärkt sich bereits durch kleine Anlässe. Man ist also ständig gefährdet. Nur das objektive Reduzieren oder Verschwinden des Tinnitus weisen auf eine innere Ausgeglichenheit, Belastbarkeit und Streßresistenz hin.
Wer nichts aus seinem T. lernt, keine Veränderung seiner Lebensführung anstrebt, ist permanent gefährdet. Aus diesem Grunde kann man nur vor sämtlichen externen Behandlungsmethoden warnen, die sich nicht mit der Lebenssituation befassen. Denn diese allein macht krank. Abgesehen von ihrer Wirkungslosigkeit und Ablenkung von der eigentlichen Ursache sind viele dieser Methoden auch noch lebensgefährlich (Stellatumblockaden, Infusionen, Hyperbarer Sauerstoff).
Tinnitus ist nicht heilbar, wenn man sich zuviel mit ihm beschäftigt.
Mitglieder von Selbsthilfegruppen, in denen es üblich ist, über die Ohrbeschwerden bis ins einzelne zu lamentieren, laufen Gefahr, unbehandelbar zu werden. Denn Tinnitus ist "ansteckend" für eine Risikogruppe. Ansteckend nicht durch Bakterien oder Viren, sondern im Sinne einer Konditionierung. Geräusche, die wie Ohrgeräusche klingen, kennt jeder. Da sich jeder vorstellen kann, wie Ohrgeräusche klingen, kann diese Vorstellung allein bei bestimmten Menschen und in bestimmten Situationen ein Tinnitusleiden erzeugen. Das geschieht durch Mechanismen verschiedener Körper- und Gehirnreaktionen. Von Natur aus angespannte Menschen in Belastungssituationen, die sich nicht mehr entlasten können, stellen die Risikogruppe dar. Über die "Ansteckung" von Tinnitus können Psychotherapeuten sprechen, denen es durch Gespräche mit Betroffenen widerfahren ist, aber auch Personen, die Veranstaltungen für Tinnitusbetroffene organisiert haben oder vorher beschwerdefreie Begleitpersonen bei Versammlungen von Betroffenen sind ebenfalls gefährdet, manche können ein Lied davon singen. Das Anspannungsreflexgeschehen ist eben auch lernbar. Für Betroffene selbst ist es zu Beginn des Leidens manchmal tröstlich, mit Gleichbetroffenen sprechen zu können; aber bitte doch mit geheilten und nicht mit denen, die sich nicht haben helfen oder helfen lassen können.
Natürlich ist für manche der Aufwand zu groß, der erforderlich ist, um gesund zu werden. Wie Sie in folgenden Berichten lesen werden, ist es nicht so einfach. Aber das ist doch kein Grund, zu resignieren und anderen die Hoffnung zu nehmen.
Die ständige Konfrontation mit Tinnitus durch Gespräche oder Verbandszeitschriften prägt diesen immer mehr ein, fördert die negative Konditionierung. Man muß deshalb vor solchen Selbsthilfegruppen regelrecht warnen, deren Mitglieder von störenden Sinnesreizen betroffen sind. Selbsthilfegruppen von Alkoholikern, Krebskranken, Aidskranken usw. sind dagegen ein Segen.
Tinnitus ist nicht heilbar, wenn man keine Hoffnung, Geduld und Disziplin und die falsche Einstellung hat.
Die Biomentale Therapie besteht aus zwei Komponenten, dem Erlernen der Gegenreflexe inklusive Konditionieren. Das Erlernen ist einfach, das Konditionieren benötigt eine bestimmte Häufigkeit der Anwendung, Regelmäßigkeit und eine bestimmte Einstellung zum Training (Floating).
Die zweite Komponente ist die Veränderung der Lebensführung, die sich allerdings zwangsläufig aus dem Training ergibt. Denn eine Stunde täglich, für sich in Anspruch zu nehmen, verändert das ganze Leben.
Der Zeitraum bis zur Verbesserung oder Heilung ist von der Wirksamkeit und Häufigkeit des Trainings abhängig, gleichermaßen aber auch von den täglichen Belastungen des Lebens, den Reizen, die zu negativen Reflexen führen. Für eine Behandlung und Selbsttherapie im Sinne der Biomentalen Therapie ist eine gewisse Reife erforderlich. Man muß nicht an die Behandlung glauben, das muß man bei Medikamenten, Infusionen, Sauerstofftherapien etc., sondern wissen, ja überzeugt sein, daß nur sie der Weg zur Heilung sein kann. Wissen bedeutet, daß man sich und seine Reaktionen so gut kennt oder kennengelernt hat, daß man nicht nur spürt, sondern sogar Gewißheit hat, warum man krank geworden ist. Wer das weiß, weiß auch, wo der Weg zur Heilung zu suchen ist. Wir kennen eine Unmenge von Betroffenen, die genau sagen können, welche Auslösesituation und welche Vorbedingungen vorlagen und Voraussetzung dafür waren, um einen Hörsturz, einen Morbus Menière oder einen Tinnitus zu bekommen. Die, die es nicht wissen, oft, weil sie es nicht wissen wollen, da sie sich für unfehlbar halten, sind noch nicht reif für eine Behandlung. Andere wollen nicht gesund werden, weil sie von ihrem Leiden profitieren (sekundärer Krankheitsgewinn). Der Profit besteht zum Beispiel darin, daß man sich als Leidender öffentlich darstellen mag, eine regelrechte Patientenkarriere macht, ja sogar eine Art Spezialist ist, der allerdings, außer sein Leiden zu pflegen und sich als unheilbar zu präsentieren, womit er andere in bedenkliche Hoffnungslosigkeit stürzen kann, nichts anderes leistet. Wirkliche Spezialisten ohne Krankheitsgewinn, ja sogar mit Gesundheitsgewinn, sind diejenigen, die geheilt sind, die sich mit viel Mühen und Aufwand haben helfen oder helfen lassen können. Ihre Aufgabe sehen sie nun darin, Hoffnung zu machen, ja sogar manchen vor einem Selbstmord, der aus der Hoffnungslosigkeit heraus entsteht, zu bewahren.
Tinnitus ist nicht heilbar, wenn man auf eine organisch-mechanische Ursache hofft.
Mit dem Märchen von der Vielfalt der Ursachen für eine Tinnitusentstehung soll die Anwendung der Vielfalt von Behandlungsmethoden gerechtfertigt werden, die von Selbsthilfegruppen den Betroffenen in wiederum verwirrender Vielfalt angeboten werden. Abgesehen davon, daß alle diese physikalischen und chemischen Anwendungen so wirksam wie gar keine Behandlung sind, gibt es sogar wissenschaftliche Untersuchungen, die eine (zufällige) Wirksamkeit vereinzelter Verfahren bestätigen. Nur wissenschaftlich sind dieses Studien nicht, auch wenn sie an Universitätskliniken durchgeführt werden. Denn das Patientengut, das sich an Universitäten wendet, ist ebenso wenig repräsentativ für die Betroffenen wie die Mitglieder von Selbsthilfegruppen. Da in beiden Fällen Menschen mit bestimmten Persönlichkeitszügen vorherrschen, können auch die Aussagen von Doppelblindstudien nicht ernst genommen werden. Bei einer wissenschaftlich relevanten Untersuchung muß es sich bei dem zu untersuchenden Personenkreis um Menschen handeln, die erstens für die Betroffenen repräsentativ sind, die zweitens im Rahmen einer Doppelblindstudie entweder alle die gleichen psychologischen Voraussetzungen mitbringen, was nicht möglich ist, oder gar nicht wissen, daß eine Untersuchung stattfindet. Ja sie dürfen, um für jeden Menschen unterschiedliche suggestive Effekte auszuschließen, nicht einmal wissen, daß sie behandelt werden. Nur solche Ergebnisse sind wissenschaftlich relevant, wenn mit Doppelblindstudien am Menschen geforscht wird.
Bei den verschiedenen Ursachen der Tinnitusentstehung handelt es sich um eine falsche Zuordnung verschiedener Phänomene. Falsch ist die Annahme, daß ein Tinnitus beispielsweise durch eine Fehlstellung der Halswirbelsäule entstehen kann. Richtig ist, daß Anspannungen, die letztendlich zum Tinnitus führen, immer auch mit Nackenmuskulaturanspannungen einhergehen, die zu einer Fehlstellung der Halswirbelsäule führen können. Das Tinnitus- und das HWS-Problem haben also eine gemeinsame Ursache. Eine kausale Beziehung zwischen HWS und Tinnitus besteht nicht, allerdings gibt es eine geringfügige Beziehung, die bei Kopfdrehung ein Ohrgeräusch anheben oder schwächen kann. Auch kein Kausalzusammenhang besteht bei Störungen der Kiefergelenkfunktion, der Zähne etc. Zwischen den einzelnen Störungen bestehen nur geringfügige Beziehungen, sie haben aber alle die gemeinsame Ursache: die Anspannung.
Ein Knalltrauma als Ursache für Hörsturz und Tinnitus ist extrem selten. Meistens handelt es sich um ein Schrecktrauma, das beim Knall eines Schusses, eines Silvesterkrachers usw. entsteht. Der Schreck bewirkt bei einem generell angespannten Menschen eine Verstärkung der Anspannung, die sich im Zusammenzucken bestätigt. Die Anspannung verursacht über Muskel-, vegetative, neurohormonelle und Immunreaktionen den Hörverlust beim Hörsturz, das Geräusch des Tinnitus und den endolymphatischen Hydrops mit Schwindel als Folge.
Selbstverständlich sind auch Ursachen für oben genannte Beschwerden denkbar, die anderweitig entstehen. Das soll nicht heißen, daß z.B. ein Tumor wie ein Akustikusneurinom, die Ursache für einen Tinnitus sein muß. Es kann auch beides unabhängig voneinander existieren. Das ist auch sehr wahrscheinlich so, weil nach einer Tumoroperation der Tinnitus in der Regel weiterbesteht. Er müßte ja mit dem Tumor verschwinden, wenn dieser die Ursache für ihn ist. Auf die Frage, wodurch ein Tumor oder eine Otosklerose zum Beispiel entstehen, ob nach dem gleichen Strickmuster wie die hier beschriebenen Störungen oder anders, soll hier nicht eingegangen werden. Differentialdiagnostisch kann man die hier beschriebenen Beschwerdebilder von gleichartigen mit anderen Ursachen, falls es sie überhaupt gibt, dadurch unterscheiden, daß es sich bei dem hier beschriebenen Hörsturz, Tinnitus oder menière’schen Schwindel um einen Symptomenkomplex handelt. Dieser Symptomenkomplex ist ein psychoneuro-endokrino-immunologisches Innenohrsyndrom, kurz PNI-Innenohrsyndrom (nach Greuel), das grundsätzlich mit weiteren Symptomen unterschiedlicher Ausprägung aus gleicher Ursache entstehend kombiniert ist, wie Nacken- und Kiefermuskulaturverspannung (mit der Folge von HWS-, Kiefergelenk- und Zahnflächenschäden), vasomotorische Schleimhautschwellungen im Nasennebenhöhlenbereich (mit der Folge von Sinusitiden, Tubenmittelohrkatarrhen etc.), um nur die wesentlichen zu nennen, und bei dem eine relevante Auslösesituation zu finden ist. Eine Hypotonie oder seltener Hypertonie, erhöhter Cholesterinspiegel sind sehr oft, aber nicht so unbedingt vorhanden wie die vorgenannten Symptome. Ein weiteres, wichtiges diagnostisches Merkmal, das zu dem PNI-Innenohrsyndrom (nach Greuel) gehört, ist die Belastungs- und Anspannungsphase vor dem Auftreten der Ersterkrankung, die oft erst in Ruhephasen nach der Belastung (Nacht, Wochenende, Urlaub) auftritt. Diese Belastungsphase ist die schon erwähnte relevante Auslösesituation. Die für eine wissenschaftlich fundierte Diagnostik notwendigen Befunde kann allerdings nur für ein Fachmann erheben, der neben einem HNO-ärztlichen Wissen die tiefenpsychologische Anamneseerhebung beherrscht. Eine Fragebogenaktion würde nur die erkrankten Personen erfassen, denen die Auslösesituation bereits bewußt ist. Diejenigen, die den Bewußtwerdungsprozeß noch nicht vollzogen haben, könnten nicht erfaßt werden.
Wer demnach einen Hörsturz, Tinnitus, menière’schen Schwindel ohne die genannten Begleitsyndrome und Auslösesituationen hat, nimmt das entweder nicht wahr oder leidet nicht an dem hier beschriebenen Syndrom. Ob es tatsächlich Hörstürze, Tinnitus- oder Morbus Menière-Erkrankungen gibt, die kein PNI-Innenohrsyndrom (nach Greuel) darstellen, wird von uns bezweifelt, da wir es bisher nicht erlebt haben.
Tinnitus ist heilbar, wenn man begriffen hat, warum man ihn hat.
Der oben erwähnte Bewußtwerdungsprozeß ist das Produkt eines Denkprozesses, der sich nur in einer verzweifelten Situation aktivieren läßt. Ein Patient mit einem PNI-Innenohrsyndrom besucht in der Regel zunächst den Hausarzt und geht dann durch diesen überwiesen oder selbstständig zu einem HNO-Arzt. Er tut es deswegen, weil er denkt, der Ohrenarzt sei der Fachmann für seine Erkrankung. Diesen Gedanken hat er nicht selbständig entwickelt, sondern er ist überliefert. Auch der Ohrenarzt denkt, daß er als Ohrenarzt Fachmann für alles ist, was mit dem Ohr zu tun hat. Auch dieses Denken ist erlernt. Er behandelt schließlich auch nur das Ohr, weil er denkt, daß die Beschwerden, die sich im Ohr bemerkbar machen, auch im Ohr entstehen müssen. Das allerdings ist nicht unbedingt logisch, denn die Entstehung findet z.B. in unserem Fall anderswo statt und macht sich nur im Ohr bemerkbar. Sowohl der Arzt als auch der Patient denken nach altem, überlieferten Muster. Erst wenn der Patient merkt, daß ihm der Ohrenarzt nicht helfen kann, er zu verzweifeln droht, beginnt die Suche nach neuen Erkenntnissen. Für den Arzt ist diese Notwendigkeit noch nicht gegeben, denn er hat genügend Patienten, die zu ihm kommen, er verzweifelt noch nicht. Ferner werden noch alle von ihm durchgeführten Behandlungen, ob sinnvoll oder nicht, von den Krankenkassen erstattet. Eine zwingende Notwendigkeit, umdenken zu müssen, ist also überhaupt nicht vorhanden. Das ist auch der Grund dafür, weshalb kein anderer Arzt an der Durchführung der Biomentalen Therapie interessiert ist, abgesehen von der mangelnden Qualifikation der meisten Ärzte, die nur eine einseitige Ausbildung vorweisen können. Wer also würde ohne ersichtliche Notwendigkeit eine aufwendige Zusatzausbildung machen, um dann eine Praxis zu führen, in der die Abrechnung mit den Krankenkassen nicht garantiert ist? Sicherlich nur derjenige, dessen Existenz bedroht ist, wenn die Patienten mangels Therapiemöglichkeit wegbleiben und wenn die Krankenkassen keine nicht nachweislich wirksamen Behandlungen mehr erstatten. Das allerdings ist in unserem Gesundheitssystem kaum möglich.
Es wird nun deutlicher, welche Hürden Arzt und Patient nehmen müssen, um umdenken zu können, damit für beide ein Verstehen und für den Patienten, der schließlich der Leidtragende ist, sogar ein Begreifen der Ursache z.B. eines Tinnitus möglich ist. Erst dann ist ein Gedanke an Heilung, in Erwägung zu ziehen und der Kurs dorthin einzuschlagen.
Viele Patienten haben spontan begriffen, warum es nötig wurde, ein Ohrgeräusch zu bekommen. Einer sagte einmal: "Mein Ohrgeräusch hat mir die Möglichkeit gegeben, guten Gewissens meine mich total überfordernden Aufgaben abgeben zu können. Ein anderer sagte, daß ihm erst das Ohrgeräusch eine gewisse Souveränität ermöglichte. Wenn also, wie auch in vielen anderen Fällen, der Tinnitus oder Hörsturz etc. einem die Möglichkeit, Nein sagen zu können, vermitteln konnten, dann hätte man doch der gesundheitlichen Störung zuvorkommen können. Allerdings wußte man vorher nicht, daß das Nicht-nein-sagen-können derartige gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann. Doch nun weiß man es und handelt danach: Man übt das Nein-sagen, um einem Rezidiv vorzubeugen und den die
eschwerden unterhaltenden Kreislauf unterbrechen zu können. Früh genug Nein-sagen, um Belastungen zu reduzieren oder belastbarer zu werden, beugt der Überforderung, die sich als Krankheit kundtut, vor. Belastbarer werden, ist sofort erlernbar (Biomentales Training), Nein-sagen lernen ergibt sich nur sehr langsam aus vielen positiven Erfahrungen mit dem Nein-sagen.
Leider ist noch vielen besonders Tinnitus-Betroffenen nicht bewußt, daß sie ihr Ohrgeräusch brauchen, um ihr Pflichtbewußtsein, ihre Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit etc. guten Gewissens vernachlässigen zu können. Ihr Verhalten begründen sie daher demonstrativ, fast sogar exhibitionistisch, z.B. mit den Worten: "Mein Tinnitus ist heute so schlimm, daß ich leider nicht länger bleiben kann." Es ist für diese Menschen leichter, ein Ohrgeräusch ertragen zu müssen, als ihre Pflicht nicht erfüllen zu können. So erbarmungslos tief eingeprägt ist diese Persönlichkeitseigenschaft bei einigen wenigen Menschen, die den Konflikt zwischen Freiheit und Pflichten verdrängen müssen und nur mit Hilfe eines Ohrgeräusches freier sein können. Viele dieser Betroffenen fürchten sich vor diesen Erkenntnissen, sie ziehen ihr Ohrgeräusch vor, ja sie kämpfen oft sogar für die These: Tinnitus ist nicht heilbar. Das mag sie beruhigen, aber es schadet anderen, die selbstbewußt genug sind, kleine "Fehler" an sich einzugestehen. Dabei handelt es sich nicht einmal um Fehler, sondern darum, daß Pflichtbewußtsein ein hohes Gut ist, solange es einem selbst auf Grund der Überforderung nicht schadet. "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", heißt es doch und nicht: "Liebe Deinen Nächsten mehr als Dich selbst". Gewissenhaft, pflichtbewußt, zuverlässig sein ist nur akzeptabel, wenn man sich selbst dabei nicht vernachlässigt.
Tinnitus ist heilbar, wenn man begriffen hat, warum man ihn hat. Das Begreifen ist, wie Sie gelesen haben, oft schwer und wird von den Betroffenen, die die Verdrängung brauchen, erschwert. Aber auch die rein organisch orientierten Mediziner unterstützen die Antibewußtmachungskampagne bestimmter Selbsthilfegruppen, weil auch sie die Verdrängung brauchen, um ihre berufliche Tätigkeit nicht in Frage stellen zu müssen. Diese Unterstützung der Selbsthilfegruppen durch die rein organisch orientierten Mediziner dient vor allem der Entlastung dieser Ärzte. Anstatt sich um neue Behandlungsmethoden zu bemühen, verkaufen sie ihre Uraltbehandlungen (Infusionen, Stellatum-Blockaden, Medikamente) und schieben ihre "konventionell austherapierten" Patienten an Selbsthilfegruppen ab, z.B. an die Deutsche Tinnitusliga e.V., die sich nun um die körperlichen und seelischen Wracks kümmern sollen. Daß es Freiwillige gibt, die sich um verzweifelten Menschen bemühen, was eigentlich die Aufgabe ihrer Ärzte gewesen wäre, ist bewundernswert. Doch diese freiwilligen Helfer sollten diesen Ärzten, die zwar die Mitgliederzahlen ihrer Vereine in die Höhe treiben, nicht auch noch dafür dankbar sein, daß sich diese "die Hände nicht schmutzig zu machen" brauchen und jemanden gefunden haben, der ehrfurchtsvoll ihre Antibewußtseinskampagne unterstützt. Die Betroffenen als Verdrängungskünstler und ihre Ärzte, die die Ursache und Wirkung der Beschwerden ausschließlich im Ohr, in der Halswirbelsäule, in den Zähnen, im Amalgam oder anderen exogenen Ursachen suchen, aber bisher nicht gefunden haben, bestehen auf der bekannten Negativaussage, versuchen aber trotzdem immer wieder, mit allen möglichen mechanischen und chemischen Methoden der Beschwerden Herr zu werden.
Um dieser Massenhysterie zu entkommen, sich sein eigenes Bild zu machen, einen eigenen Weg zu finden, unterstützt durch die Minderheit der F&FBS und durch die ganz speziellen und bisher einmaligen Erfahrungen eines einzelnen Mediziners, bedarf es eines starken Selbstbewußtseins. Innerlich gegen den Strom zu schwimmen, auch noch behindert durch die eigenen Beschwerden, ist in der Tat schwer. Aber Hochachtung vor denen, die es konnten und können und die schließlich noch weiter gehen und bereit sind, diesen Prozeß anderen vorzuführen. Die folgenden Beiträge sind einzigartige Zeugen für das komplizierte Funktionieren eines Heilungsprozesses.
Nachwort
Tinnitus ist heilbar!
Tinnitus war heilbar, weil ein Umdenkprozeß stattgefunden hat, weil man etwas begriffen hat. Eine (r)evolutionäre Entdeckung mußte gemacht werden (revolutionär bedeutet: durch bahnbrechende neue Erkenntnisse völlig andere Bedingungen schaffen).
Entsprechend der Voraussetzung für einen evolutionären Schritt muß erst eine ausweglose Situation vorherrschen, und zwar die Qual der Beschwerden plus die Unheilbarkeits-Klausel, daß nämlich Tinnitus und besonders ein chronischer Tinnitus angeblich nicht heilbar seien. Die Schulmedizin muß aus der Insuffizienz ihrer Mittel ableiten, daß Tinnitus (mit den ihr zur Verfügung stehenden Methoden) nicht heilbar ist. Der in Klammern geschriebene Satz allerdings wird von vielen Kollegen ihren Patienten gegenüber weggelassen. Das erschwert den in Gang zu setzenden Umdenkprozeß.
Hier gerade scheiden sich die Geister: Die einen akzeptieren die bestehende Situation oder wollen lernen, mit dieser Situation, also auch mit den Beschwerden, zu leben. Diese Personengruppe, die Resignierer rekrutieren sich gerne zu Selbsthilfegruppen zusammen und versuchen, aus ihrer Situation das Beste zu machen. Sie glauben nicht nur an die Schulmedizin, sie sind ihr geradezu hörig. Sie beharren sogar auf der Richtigkeit ihrer Entscheidung, der Resignation. Um sich selbst nicht in Frage zu stellen bekämpfen sie sogar andere, die ihr Verhalten nicht teilen. Sie vermuten eine Täuschung, etwas Bedrohliches, haben Angst vor dem Verhalten der anderen.
Die anderen nämlich, von denen in diesem Buch die Rede ist, akzeptieren ihre Situation nicht. Sie beginnen, nach einem Ausweg zu suchen. Sie entdecken und probieren verschiedenartige, ganz unterschiedlich erscheinende Methoden auch außerhalb der Schulmedizin. Sie geraten sogar in die Hände von Scharlatanen und manchmal bekommen sie ausgerechnet von dieser Seite Erleichterung. Das liegt in der Regel allerdings nur daran, daß sich ein derartiger Heiler mehr Zeit für seine Patienten nimmt. Das Gefühl, verstanden zu werden, kann Erleichterung und Hoffnung wecken. Heilen kann es allerdings nicht, das kann der Patient nur selbst.
Einzelne resignieren wieder bei ihrer Suche. Diejenigen, die weitersuchen, haben verstanden, ja sogar begriffen, daß alle bisher versuchten Methoden der Schulmedizin sich ähnlich sind. Bei allen diesen Therapien ist der Patient nämlich passiv. Er läßt etwas mit sich machen, über sich ergehen. Das ist das gemeinsame Falsche. Diese Menschen haben erkannt, daß sie selbst aktiv werden müssen. Sie suchen weiter mit der Frage: Wie kann ich mir selbst helfen? Irgendwann und hoffentlich nicht zu früh treffen sie auf die Biomentale Therapie. Zu früh würde bedeuten, daß sie sich mit einer Methode befassen, ohne die Notwendigkeit, aktiv zu sein, sich selbst helfen zu müssen, verstanden zu haben. Manchmal geschieht so etwas, und die Aussage des folglich nicht geheilten Patienten lautet: "Die Methode hat bei mir nicht funktioniert." Hätte dieser die Behandlung verstanden, hätte er sagen müssen: "Ich habe die Methode noch nicht nutzen können, weil ich immer noch z.B. bestimmte Aktivitäten für wichtiger gehalten habe als meine Gesundheit."
Diejenigen, die verstanden haben, wo der Weg zur Heilung entlangläuft, müssen die Schritte dorthin erleben, körperlich spüren. Nur mit Hilfe der körperlichen Empfindungen (z.B. Nackenentspannung und Gesichtsdurchblutung) kann jemand begreifen, warum er Ohrgeräusche bekommen hat, und wie sie wieder weggehen können.
Das Verstehen war ein sehr wichtiger Schritt, Begreifen ist noch wichtiger und Glauben? Glauben lag noch vor dem Verstehen. Der Sucher glaubt an alle Methoden und wird meistens enttäuscht. Er glaubt, daß ein Medikament helfen kann, aber er kann die Wirkung nicht verstehen. Wenn nämlich ein Medikament Ohrgeräusche wegnehmen könnte, wohin bringt es sie oder was macht es aus ihnen? Verschwinden kann ja schließlich nichts auf dieser Welt. Eine Therapie wie die Biomentale Therapie ist logisch, und der Interessent versteht die Wirksamkeit, muß allerdings dem Behandler bestimmte physiologische Abläufe, die dieser erläutert, glauben.
Spürt der Patient allerdings die Wirkung durch Körperreaktionen, hat er begriffen, daß die Wirkung vorhanden ist. Nun muß er nur die vielen Schritte und Stufen zur Heilung erklimmen.
Auch hier lauern weitere Gefahren, auch wieder die Resignation und die dabei immer wieder auftauchenden Zweifel: " Vielleicht ist doch etwas im Ohr zerstört." Gerade hier ist Motivation erforderlich, die, wenn sie nicht mehr vom Behandler kommt, vom Freundes- und Förderkreis der Biomentalen Selbsthilfe (F & FBS) kommen muß oder besser noch vom Ehepartner, der die Therapie kennen und verstehen sollte. Das bestätigen auch viele geheilte Mitglieder der F & FBS.
Es gibt eine Risikogruppe und es gibt eine Reifegruppe
Es mußten, wie zu lesen war, bestimmte Bedingungen zusammen kommen, um einen Hörsturz, Tinnitus, Morbus Menière usw., also ein PNI-Innenohrsyndrom, auszulösen. Genauso müssen bestimmte Bedingungen vorhanden sein oder geschaffen werden (durch die Biomentale Therapie), um eine Heilung zu bewirken. Die Biomentale Therapie versucht gezielt, diese Bedingungen zu schaffen, es gibt aber auch Fälle, in denen diese Bedingungen rein zufällig durch Lebensveränderungen auftreten. Dabei handelt es sich im letzteren Fall um eine reine Spontanremission (Spontanheilung) mit der latenten Gefahr des Rezidivs (Wiedererkrankung), weil man aus der Situation nichts gelernt hat. Das gilt für alle Spontanheilungen oder Placebobehandlungen (Infusionstherapie, hyperbare Sauerstofftherapie, Medikamententherapie und andere externe Therapieformen). Bei den Behandlungserfolgen durch die Biomentale Therapie handelt es sich um eine aktiv gezielte Form der Spontanheilung. Da dies bewußt geschieht, ist die Gefahr des Rezidivs auf ein Minimum reduziert. Um das allerdings zu schaffen sind "Reifevoraussetzungen" vonnöten. Wie oben erwähnt, waren mehrere Voraussetzungen zu erfüllen. Zunächst führte der Leidensdruck zum Suchen nach alternativen Methoden, die nach ihrer Logik abgeklopft werden müssen. Methoden, die von außen, also ohne Mitarbeit des Patienten, angeboten werden, sind mit Skepsis zu genießen, schon allein deshalb, weil keine Autarkie, sondern eine Abhängigkeit davon bestehen bleiben würde. So hat das Lesen des Buches "Viel um die Ohren" vielen Betroffenen bestimmte Zusammenhänge erläutert, die direkt nachvollziehbar waren. "Als hätten Sie über mich geschrieben", lauteten viele erstaunte Bemerkungen von Betroffenen, die die erwähnten Zusammenhänge schon geahnt hatten und nun bestätigt bekamen. Nach dem Suchen kann also die Erkenntnis bzw. die Bestätigung der eigenen Ahnung kommen. Die Behandlung selbst vermittelt weitere Erkenntnisse durch Körpererfahrungen. Das Wahrnehmen körperlicher Reaktionen und das Beherrschen derselben sind weitere Schritte zur Heilung. Die körperliche Selbstwahrnehmung beantwortet die Fragen nach dem momentanen Befinden. Auch hierfür muß man bereit, reif sein. Wer noch permanent auf sein Ohrgeräusch achtet, seine Schwankungen und seine Qualitäten zu analysieren versucht, hat keine Aufmerksamkeit für die Selbstwahrnehmung. Diese besteht nicht nur aus einem Phänomen, wie z.B. einem Ohrgeräusch, sondern aus Tausenden von Empfindungen. Bin ich angespannt, ist die Muskulatur locker, ist die Kieferbewegung frei, ist die Mimik entspannt usw. sind die Fragen, die einen beschäftigen müssen. Denn das sind die kleinen Ziele, die Schritte und Stufen zur Heilung. Mit der Bereitschaft dazu und mit einer Schulung der Wahrnehmung dieser körperlichen Empfindungen, im Zusammenhang mit der psychischen Verfassung natürlich, beginnt die Biomentale Therapie. Zeitlich dann kaum versetzt beginnen bereits das Beherrschen bzw. das bewußte Aktivieren gewünschter Reaktionen (z.B. Nackenentspannung). Automatisch folgen weitere Reaktionen in Reflexform (z.B. Wärmeentwicklung im Wangenbereich). Eine Kettenreaktion beginnt ihren Verlauf. Sie wird manchmal durch Lebensumstände unterbrochen, auch das muß man lernen und beherrschen können. Sobald sie wieder in Gang gesetzt ist, bewegt sich der Mensch weiter in Richtung Heilung. Diese Dinge allerdings geschehen oft nach der Therapie, wenn man alleine mit Rückschlägen fertig werden muß. Und diese kommen, ja sie müssen kommen, um den Lerneffekt zu ermöglichen. Man lernt nur aus Fehlern, die man immer wieder begeht. Am Beispiel von Frau J. ist ersichtlich, daß man schnell wieder in die alten ausgefahrenen Spuren der Vorerkrankung zurückrutscht und damit einen Dämpfer bekommt. Doch man kann das Steuer herumreißen, das hat man gelernt und ist schnell wieder in der richtigen Spur. Das Beherrschen solcher Reak
tionen ist ein Therapieerfolg. Denn ob man nun Beschwerden hat oder nicht, kann man frei entscheiden. Man meint schließlich sogar, etwas riskieren zu können, z.B. eine kurze Zeit lang beruflich "reinzuhauen", allerdings mit dem Nebeneffekt der wieder auftretenden Ohrgeräusche, um sie dann nach dieser Lebensphase wieder zu beseitigen, um den Erfolg auch genießen zu können. Denn das Genießenkönnen ist ein Lebensziel. Dieses Risiko sollte man aber besser nicht wagen, da ein zufällig gleichzeitig auftretendes schicksalhaftes Lebensereignis ein Zuviel an Belastungen darstellen würde mit der Gefahr z.B. eines Hörsturzes.
Tinnitus ist heilbar, wenn man die Heilung zuläßt.
Heilung zulassen im Sinne von gewähren möchte jeder gerne, doch viele können es nicht. Denn die Haltung ist eine passive. Auf die Ohrdurchblutung bezogen muß man locker werden, die Blutgefäße entkrampfen, daß sich das Blut durch seinen normalen Blutdruck den Weg hindurch verschafft. Das ist bildlich dargestellt und soll die falsche Einstellung gegenüber der Biomentalen Therapie darstellen. Falsch wäre es nämlich, angespannt zu bleiben, die Blutgefäße verkrampft zu lassen und gleichzeitig mit Gewalt und Kraft das Blut durch die verengten Gefäße hindurchzupressen.
Die Neigung zu Gewaltmaßnahmen gegen sich selbst wird deutlich in sportlichen Überaktivitäten - als ob diese eine Überforderung ausgleichen könnten -, sie stellen im Gegenteil eine zusätzliche, oft sogar tödliche Belastung dar. Es ist schon ein Widerspruch in sich, mit leistungsorientiertem Sport einen Ausgleich zum leistungsorientierten Beruf schaffen zu wollen. Mit Gewaltmaßnamen, wie Sauerstoffüberdrucktherapie, Infusionen, Stellatumblockaden etc., soll mit Kraft gegen körpereigene Kräfte vorgegangen werden. Die Gewaltmaßnahmen enden nach Abschluß der Therapie, die körpereigenen Kräfte allerdings bleiben. Die körpereigenen Kräfte, mit denen die Durchblutung behindert wird, müssen besänftigt werden. Im Biomentalen Training muß man sanft und locker vorgehen und Gewaltmaßnahmen vermeiden, man muß sich zum Therapieziel hintreiben lassen. Gerne vergleiche ich die Biomentale Therapie mit dem Flößen. Der Flößer, wie der Patient, läßt sich zum Ziel hintreiben, er braucht nur hin und wieder zu lenken, nachzukorrigieren, aber er braucht nicht aktiv mitzurudern oder mitzupaddeln. Die Strömung des Flusses, der Therapie, führt ihn automatisch zum Ziel, es ist nur eine Frage der Zeit und Geduld. Mitrudern, um zu beschleunigen, birgt die Gefahr der Kollision und der weiteren Ermüdung. Müde ist man nämlich schon durch die Aktivitäten vorher. Um passiv zum Ziel kommen zu können, mußte man sich vorher den Weg oder Fluß mühsam suchen, alles für die Fahrt vorbereiten, auf die Behandlung bezogen: lesen, Termine machen, Gespräche führen, verstehen und bei Behandlungsbeginn sogar: begreifen. Die Arbeit ist vorher getan worden, nun muß man den Erfolg abwarten und ernten, aber immer am Ball bleiben.
"Ist es möglich, passiv zum Ziel zu kommen, auf den Erfolg zu warten? Ist nicht ständiges an sich selber arbeiten, beobachten und aufmerksam sein besser, als sich treiben zu lassen? Wer nicht an sich selbst arbeitet, an dem wird gearbeitet. Birgt der Versuch, passiv zum Ziel zu kommen nicht die Gefahr sinnloser Umwege? Nichts geschieht automatisch, alles muß in kleinen Schritten erarbeitet werden. Vorher und nachher! Die Arbeit muß ständig getan werden, abwarten und ernten ist leider nicht möglich."
Dieser Einwand von Frau Peperkorn ist wichtig, um die zwei Gleise der Biomentalen Therapie in Erinnerung zu bringen. Einmal geht es um ein organwirksames Training, das Biomentale Training. Die Einstellung zu dieser Therapieform muß die oben beschriebene passive sein. Man muß sich anhand der Einzelschritte des Trainings ohne "Ehrgeiz und Gewalt" zum Ziel hintreiben lassen, das bereits vorgegeben ist, da man durch Selbsterkenntnis um die Ursachen der Erkrankung weiß. Der Prozeß der Bewußtwerdung und die notwendigen Korrekturen im eigenen Verhalten sind der aktive Teil der Biomentalen Therapie. In ihm muß man, wie Frau Peperkorn aus eigener Erfahrung richtig sagt, ständig an sich selber arbeiten, beobachten und aufmerksam sein.
