
"Wieder ein fröhlicher Mensch, aber Vorsicht!"
von Erika Jacobs
Ich möchte mich kurz vorstellen. Mein Name ist Erika Jacobs, ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Söhne. Im Sommer 1992 erlitt ich drei Hörstürze mit heftigen Ohrgeräuschen in nur zwei Monaten. Ich möchte Ihnen meine Geschichte erzählen. Wie es dazu kommen konnte, und wie ich mit Hilfe der Biomentalen Therapie meine Erkrankung in den Griff bekommen habe.
Eigentlich fing das Jahr 1992 ganz gut für mich an. Mit einem schönen Schiurlaub in Österreich. Hinzu kam, daß mich die Ohrgeräusche, die ich seit einer Operation 1990 hatte, nicht mehr so stark ärgerten. Auch konnte ich meinen Mann dazu überreden, daß ich stundenweise in unserem Geschäft arbeitete, auch wenn ich keine kaufmännische Ausbildung hatte. Aber es kam alles ganz anders. Ich hatte einen Schiunfall, eine Kleinigkeit am Knie. Aber einmal in 30 Jahren kann man das ja verschmerzen, dachte ich mir. Die Kleinigkeit mußte dann doch operiert werden. Ich wollte ja auch noch in zehn Jahren Sport treiben. Ende März lag ich mal wieder im OP. Nach Meinung der Ärzte sollte ich in drei Wochen wieder Tennis spielen können. Aber es gab Komplikationen. Es war zum Verzweifeln. Die dritte Operation in Folge und jedesmal Komplikationen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das alles nicht mehr ertragen zu können. Nach drei Monaten konnte ich immer noch nicht richtig laufen. Ich wollte aber unbedingt wieder arbeiten. Autofahren konnte ich wieder und auch am Schreibtisch sitzen. Gesagt, getan. Schon in der zweiten Woche mußte ich drei Wochen Urlaubsvertretung machen. Das bedeutete, jeden Tag ins Geschäft fahren. Hinzu kam, daß mir die Büroarbeit noch nicht flüssig von der Hand ging. Es war doch nicht so einfach, in meinem Alter noch etwas ganz Neues zu lernen. Der Haushalt sollte nach meiner Vorstellung genauso perfekt sein wie immer. Ende der ersten Woche meldeten sich meine Ohrgeräusche massiv zurück. Wegen einer Knieoperation ging ich in der Woche zweimal zum Schwimmen. So glaubte ich dann auch, als ich auf einem Ohr nichts mehr hören konnte, daß ich Wasser im Ohr hätte. Also ging ich zu meinem HNO-Arzt und sagte ihm, ich glaubte, daß ich Wasser im Ohr hätte, und es würde auch wieder stark rauschen, wie gehabt. Er untersuchte mich und machte einen Hörtest. Was er mir nun sagen mußte, schockte mich sehr. Ich hatte einen Hörsturz! Sprachlos und entsetzt saß ich auf meinem Stuhl. Er erklärte mir, daß ein Hörsturz eine Streßerkrankung sei, und daß ich meinen Alltag überdenken müsse. Er organisierte für mich eine ambulante Infusionstherapie, weil er mich gut verstehen konnte, daß ich nicht schon wieder ins Krankenhaus wollte. Er übernahm es auch, meinen Mann über die Art und Weise meiner Erkrankung zu informieren und gab ihm den Ratschlag, seine Frau zu Hause zu halten und nicht ins Geschäft zu lassen, denn sicherlich brauche sie doch kein Brot von ihrem Gehalt zu kaufen. Mittags kam mein Mann nach Hause, nahm mich in den Arm und fragte mich: "Bin ich jetzt daran schuld?"
Ich konnte ihn beruhigen. Meinen Mann traf absolut keine Schuld. Ich war es ja selbst, die sich den Alltag so vollgestopft hatte, und an den notwendigen Operationen konnte er ja auch nichts ändern. So fing ich dann mit der vorgeschlagenen Infusionstherapie an. Ich war mit meinen Nerven am Ende. Mein Ohr rauschte rund um die Uhr, und ich hörte schlecht. Nach zwei Wochen Infusionen war mein Problem gelöst - dachte ich.
Knapp eine Woche hielt mein Ohr stand. Ein Trauerbrief flatterte ins Haus. Großes Entsetzen bei mir und meiner Familie. Der Sohn unserer Urlaubsfreunde war tödlich verunglückt. Er war so alt wie unser ältester Sohn. Wir hatten den fröhlichen Jungen über viele Jahre aufwachsen sehen. Das war zuviel für mich. Es erwischte mich wieder. Ich hörte nichts, und der Mann im Ohr ließ mir keine Ruhe. Was war passiert? Ich war verzweifelt. Wieso schon wieder? Ich ging doch nicht mehr arbeiten, nicht Tennis spielen, nicht schwimmen! Ich fiel in ein großes schwarzes Loch. Ja, das muß wohl die Aufregung um den Todesfall gewesen sein. Die Folge: wieder Infusionen. Ich empfand das alles als große Quälerei. Hatte ich nicht schon genug an Spritzen und Infusionen in den letzten Monaten bekommen? Mein Ohr stabilisierte sich wieder.
Nach zwei Wochen war es wieder vorbei. Erneut meldete sich mein Ohr. Es brummte und bohrte in meinem Kopf, ich konnte meine Kinder nicht verstehen. Furchtbar! Warum hatte ich nun schon wieder einen Hörsturz? Nur Verbote: kein Sport, kein Büro - schrecklich! Das schwarze Loch wurde immer tiefer. Ich dachte: "Wenn das so bleibt, springst du irgendwann von der Blombachtalbrücke!" Mit der Tatsache, weniger hören zu können, hätte ich mich noch irgendwie abfinden können, aber am schlimmsten empfand ich das Geräusch. Ich wollte und konnte mit dieser Erkrankung nicht mehr leben. Ich war verzweifelt, mein Arzt hatte viel Verständnis für mich. Dieses Mal machte er keine Infusionstherapie, er schlug mir vor, doch mal ambulant ins Krankenhaus zu gehen. Er wollte die Verantwortung nicht mehr allein tragen. Ich sollte aber zu einem ganz bestimmten Arzt gehen. Heute weiß ich, warum. Dieser Arzt unterhielt sich lange mit mir und kam zu dem Schluß, ich sei wie ein Rennpferd vor dem Start, das nervös auf der Stelle trippelt und gern rennen möchte, aber nicht kann. Ich war kein Fall mehr für die herkömmliche Therapie. Er empfahl mir einen Kollegen in Düsseldorf, der bei dieser Art der Erkrankung den Menschen ganzheitlich sehe. Ich sprach mich mit meinem HNO-Arzt ab, der hatte sich schon kundig gemacht. Er machte mir zwei Vorschläge: einmal eine schulmedizinische Behandlung und dann die Biomentale Therapie bei Dr. Greuel, die ich aber selber bezahlen müsse. Für mich gab es kein langes Überlegen. Ich sah nur in dieser Therapie meine Chance. Die Schulmedizin hatte ja versagt. Wie ein Ertrinkender nach einem Strohhalm greift, so griff ich die Therapie auf. Sofort setzte ich mich mit der Praxis von Dr. Greuel in Verbindung. Man machte mir die Hoffnung, daß ich in einem halben Jahr einen Termin bekäme. Wie sollte ich dieses halbe Jahr überstehen? Das furchtbare Geräusch in meinem Ohr, das immer wieder Nachfragen, wenn ich etwas nicht verstanden hatte. Ich war total genervt. Schrecklich - manchmal wurde ich richtig böse. Meine Familie konnte ja auch nichts dafür. Um mir die Wartezeit etwas leichter zu gestalten, besorgte ich mir das Buch von Dr. Greuel "Viel um die Ohren". Was ich da las, versetzte mich in Erstaunen. Sprach er da wohl von mir? Der Typ Mensch, den er da beschrieb, den diese Ohrerkrankung betrifft, das war doch ich. Ich versuchte, aus dieser Erkenntnis für mich Nutzen zu ziehen. Am besten gefiel mir, daß Dr. Greuel keine Verbote aussprach. Ich ging wieder Tennis spielen (mit Maßen), nur ins Geschäft arbeiten ging ich nicht mehr. Da paßte mein Mann ganz energisch auf. Wir setzten unsere ganze Hoffnung auf die Therapie von Dr. Greuel.
Es ging mir nicht gut. Aber irgendwie mußte ich das halbe Jahr durchstehen. Es war ein Auf und Ab. Wir fuhren in Urlaub. Meine Familie unterstützte mich so gut es ging. Endlich - vor unserem Weihnachtsurlaub bekam ich den heißersehnten Termin bei Dr. Greuel. Im Januar sollte es nun losgehen.
Schließlich saß ich im Zug nach Düsseldorf, um meinen ersten Termin bei Dr. Greuel wahrzunehmen. Nach einem eingehenden Gespräch mit Dr. Greuel konnte ich endlich mit dem Vorprogramm der Biomentalen Therapie beginnen. So froh ich war, daß nun etwas passierte, so heftig waren plötzlich meine Zweifel. Ging ich hier den richtigen Weg? Andererseits, die Ruhe und Entspannung, die ich erlebte, taten mir gut. Mein Verstand sagte mir, daß ich diesen Weg gehen müsse, denn nur hier hatte ich eine Chance, meine Erkrankung in den Griff zu bekommen. In einem Gespräch mit Dr. Greuel wurde mir klar, daß ich in meinem Alltag einiges ändern mußte. Ich durfte mich nicht so stark unter Druck setzen, meinen Ehrgeiz mußte ich zügeln. Auch "NEIN-sagen" könnte ich mal öfter. Etwas mehr Ruhe mußte ich mir
auch gönnen. Nicht zwanzig Sachen an einem Tag machen wollen. Wie sollte ich das alles schaffen. Viel Unterstützung bekam ich von meiner Familie. Mit dem Vorprogramm bekam ich eine Kassette von Dr. Greuel für meinen Alltag. Mit Hilfe dieser Kassette vertiefte ich zu Hause das, was ich an Übungen in der Praxis gelernt hatte. Die Kassette war nun mein Begleiter für das nächste halbe Jahr. Ich hörte sie eifrig drei- bis viermal am Tag. Nach zwei, drei Wochen hatte ich das Gefühl, daß es mir besser ging. In den nächsten Wochen lebte ich etwas auf. Aber dann ein Rückschlag. Ich ließ mich nicht beirren, ich hörte weiter fleißig meine Kassette. Ungefähr nach vier Monaten erlebte ich so etwas wie einen Knall. Mir ging es sehr viel besser. Ich hatte plötzlich mehr Lebensfreude, nahm wieder mehr an allen Dingen teil. Mein 50. Geburtstag im Juni wurde für mich ein ganz tolles Fest. Ich sprühte wieder vor Lebensfreude. Wie schön - ich hörte wieder besser, das Ohrgeräusch war zwar noch da, aber nicht mehr mit dieser Heftigkeit. Im September hatte ich dann den Termin für das Hauptprogramm. Über den Hörtest, den ich mitbrachte, freuten wir uns alle sehr. Ich konnte wieder hören. Aber da waren ja noch die Ohrgeräusche, und die wollte ich ja auch nicht mehr haben. Nach acht Tagen Hauptbehandlung, vielen Gesprächen mit Dr. Greuel und einer neuen Kassette fuhr ich wieder nach Wuppertal in meinen Alltag. Die etwas längere neue Kassette plante ich in meinen Tagesablauf ein wie Zähneputzen - dreimal täglich - morgens, mittags und abends. Ganz langsam wurden die Ohrgeräusche weniger. Weihnachten und Silvester überstand ich bestens. Wunderbar!
Anfang Januar 1994 fuhren wir zum Schilaufen. Ich freute mich sehr auf diesen Urlaub mit meinem Mann. Ein schöner Urlaub begann. Sonne, Schnee und leere Pisten. Wir fuhren Schikarussell. Nach zwei, drei Tagen war es wieder da. Ganz massiv! Das Ohrgeräusch. Welche Enttäuschung! Ich hörte eifrig meine Kassette - mehr als normal. Wir machten das Beste aus unserem Urlaub. Nach dem Urlaub setzte ich mich sofort mit Dr. Greuel in Verbindung. Es wird wohl so gewesen sein, daß ich mich mit der wilden Schifahrerei übernommen hatte. Das Verblüffende war, daß es mir nach einigen Tagen zu Hause wieder besser ging. Von da ab war die Tendenz steigend. Meine Ohrgeräusche waren permanent rückläufig, und mein Hörvermögen ist stabil geblieben.
Jetzt ist es Anfang Dezember 1994, ich blicke auf eine schöne Zeit zurück, komme gerade aus einem tollen Schiurlaub zurück. Ich habe im Sommer Tennis gespielt, ich habe alles gemacht, wozu ich Lust hatte. Aber immer mit der Überlegung, mich nicht zu überfordern. Meine Lebensfreude ist wieder voll erwacht. Manchmal meldet sich zwar noch mein Ohr, aber dann gerate ich nicht mehr in Panik. Ich weiß dann, daß ich mich wieder überfordert habe. Es ist eine Warnung für mich. Ich weiß aber auch, daß das Geräusch nicht lange anhält, und das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Meine Familie und auch unsere Freunde haben diese positive Entwicklung mit Freude verfolgt. Vor zwei Jahren war ich ganz unten, und nun bin ich wieder ein fröhlicher ausgeglichener Mensch. Dank der Biomentalen Therapie. Nun hoffe ich, daß ich auch das bevorstehende Weihnachtsfest und den Jahreswechsel gut überstehe. Mir geht es blendend!
Am 9. Dezember 1994 sah für mich die Welt von einer Stunde zur anderen plötzlich wieder ganz anders aus. Was war passiert?
Ich hatte mich an diesem Freitag mit meinem Sohn Tim zum Einkaufsbummel verabredet. Vormittags hetzte ich mich mit Weihnachtsbäckerei und Einkäufen ab, um pünktlich in der Stadt zu sein. Um zu vermeiden, daß wir mit drei Autos unterwegs waren, fuhr ich mit meinem Mann gegen 14.30 Uhr in Richtung Stadt. Im Auto überfiel mich eine bleierne Müdigkeit, und ich schlief auf der zwanzigminütigen Fahrt ein. Irgendwie ging es mir nicht gut. Pünktlich um 15.00 Uhr traf ich meinen Sohn. Wir stürzten uns in den Weihnachtstrubel.
Der Junior war sehr wählerisch, ich verzweifelte. Plötzlich hatte ich das Gefühl, daß mein linkes Ohr zuging. Was war das? Ging auch das linke zu? Nein, nicht so wie das rechte. "Na ja", dachte ich, "du bekommst einen Schnupfen". Aber der Zustand blieb. Auch nach einer Pause, die wir uns gönnten, war es nicht anders. Ich hörte offensichtlich auf dem linken Ohr nicht gut. Eine gläserne Wand baute sich langsam vor mir auf. Am Abend hatten mein Mann und ich eine Einladung. Ich hatte mich, bevor wir gingen, hingelegt und meine Kassette gehört. Aber was war wohl mit meinem linken Ohr? Ein leiser Verdacht beschlich mich. Na ja, wir gingen zu
unseren Freunden, und eigentlich wollte ich einen schönen Abend haben, das wollte mir aber nicht recht gelingen. Ich fühlte mich nicht gut, die anderen Gäste mit ihrem Gelächter und Geschwätze gingen mir auf die Nerven. Ich, die ich gern in Gesellschaft bin, wollte nach Hause. Langsam kam mir der Gedanke, es könnte doch ein Hörsturz sein. Ich mußte meinen Mann davon überzeugen, daß ich wohl nach Hause müßte. Da man mir ja meinen Zustand nicht ansah, war es für ihn nicht so einfach, mich zu verstehen. Obwohl mein Mann seit zwei Jahren mit mir alle Höhen und Tiefen dieser Erkrankung durchlebt hatte, war er an diesem Abend einfach überfordert. Auch das noch! Er glaubte, ich wollte ihn unter dem Vorwand, mir ginge es nicht gut, nach Hause locken. Ausgerechnet ich! Zu Hause erzählte ich ihm von meinen Befürchtungen. Bevor ich einschlief, hörte ich, wie immer, meine Kassette und hoffte, daß sich bis zum nächsten Morgen alles in Luft aufgelöst hätte. Leider wurde ich enttäuscht. Ich hörte nach wie vor auf dem linken Ohr nicht gut, die Glaswand war noch da. Ich war total verunsichert. Vor dem Aufstehen hörte ich, wie jeden Morgen, meine Kassette und nahm mir für den Tag verschärftes Kassettentraining vor. Was hatte ich sonst für Möglichkeiten? Ich wollte nicht wahr haben, daß nun das linke Ohr betroffen sein sollte, ich hatte ja keine Ohrgeräusche und wieso eigentlich? Andererseits wollte ich nun wissen, was mit meinem Ohr los war. Eine Erkältung, wie ich immer noch hoffte, oder ein Hörsturz? Aber es war Samstag und mein behandelnder Arzt, der mich voll bei der Biomentalen Therapie unterstützt, und den ich jetzt gerne um Rat gefragt hätte, war in Urlaub. So blieb mir nur der Notdienst. Mit klopfendem Herzen fuhr ich quer durch Wuppertal zu dem diensthabenden Arzt. Er hörte mich an und machte sofort eine Röntgenaufnahme von meinen Nebenhöhlen und einen Hörtest. Das Ergebnis war für mich niederschmetternd. Meine Befürchtungen wurden bestätigt. Auf dem linken Ohr hatte ich einen Hörsturz, aber ohne Ohrgeräusche. Was nun folgte, war wie gehabt. Der Arzt schlug mir sofort Infusionen vor. Entweder im Krankenhaus oder ambulant. Ich machte den Arzt darauf aufmerksam, daß ich die Biomentale Therapie praktiziere und auf dem rechten Ohr seit über einem Jahr wieder höre. Es war für ihn unvorstellbar, daß man auf mentale Weise das Gehör wieder stabilisieren kann. Na ja, er machte mich auf die Folgen aufmerksam, wenn ich keine Akutbehandlung machte, ich sollte ihm dann keine Vorwürfe machen, wenn das Gehör nicht wiederkäme. Ich fühlte mich sehr in die Enge getrieben, denn eigentlich wollte ich ja gar keine Infusionsbehandlung. Meine Nerven waren sehr angespannt, ich stand neben den Schuhen, wie ich zu sagen pflege, wenn ich am Ende bin. Aus dieser Not heraus entschied ich mich für die ambulante Infusion, die sofort gemacht wurde. Ich war nicht begeistert, zumal mir die Infusion nicht gut bekam. Als ich nach Hause kam, hörte ich sofort meine Kassette und das wiederholte ich mehrere Male über den Tag verteilt. Ich war entschlossen, an der Biomentalen Therapie festzuhalten. Am nächsten Morgen war die Glaswand weg, und ich konnte wieder hören. Dieses bestätigte der Hörtest am Nachmittag. Ich hatte meine Kassette mitgebracht und hörte sie während der Infusion, zum Erstaunen der mich behandelnden Personen. Positiv war, daß ich zu keiner weiteren Behandlung gedrängt wurde.
Heute ist Montag, mein Arzt ist, Gott sei Dank, wieder da, der Hörtest ist gut - wunderbar! Aber was war bei mir schief gelaufen? Ich war doch so gut drauf. Kritisch nahmen mein Arzt und ich die letzte Woche unter die Lupe, und ich mußte feststellen, daß ich mich völlig falsch verhalten hatte. Ich hatte mich von außen stark unter Druck setzen lassen. Ich litt unter einem schlechten Gewissen. Ich hatte ja noch keine Gardinen gewaschen, kein Weihnachtsgebäck gemacht, wie das andere gute Hausfrauen um diese Zeit schon erledigt hatten. Das bekam ich oft genug gesagt. Nein, ich war ja über den ersten Advent in Urlaub gefahren. Also zwiebelte ich meine Familie, mir beim Aufhängen der großen Gardinen zu helfen, da ich aufgrund einer Schulterentzündung das nicht mehr ganz allein kann. Mein Mann fand zwar, daß diese Aktion auch ins neue Jahr verschoben werden könnte, es wäre doch wohl besser gewesen, daß ich einen schönen Urlaub gehabt hätte. Mit großem Geschrei wurde das Wohnzimmer gemacht. In den Tagen danach muß mir wohl die Sicherung durchgebrannt sein. Die restlichen Gardinen nahm ich mir allein vor. Da wir ein wunderschönes Jugendstil Haus haben, sind auch die Gardinen riesig groß. Das Waschen und Aufhängen ist wirklich eine schwere Arbeit. Meine Familie schüttelte nur noch mit dem Kopf, aber ich war, wie in alten Zeiten, nicht mehr zu bremsen. Tennis spielen mußte ich ja auch noch Dienstagabend mit den Männern und Donnerstag mit meinen Mannschaftskameradinnen. Ja, und dann war da auch noch der Arzttermin mit Tim. Was war mit seiner Gesundheit? Er war einige Male kollabiert, und er mußte noch neurologisch untersucht werden. Ach ja, mit meiner Freundin hatte ich auch noch Opernkarten für Donnerstaga
bend. Und meine an Blasenkrebs erkrankte Freundin mußte ich auch noch dringend anrufen. Es war noch nicht genug für mich. Nun mußten auch noch die Weihnachtsplätzchen her, auch Geschenke mußte ich noch dringend am Freitag besorgen und zwar mit und für Tim. Ja, und da ist es dann passiert. - Ich war fertig! Aber ich habe aus dieser Situation gelernt, ich sehe das positiv. Ich bin nicht in das dunkle Loch gefallen wie vor zwei Jahren, ich habe mich mit Hilfe der Biomentalen Therapie wieder aufgebaut und werde mein Gehör weiter stabil halten. Auch brauche ich keine Angst mehr zu haben, wenn ich noch einmal in diese Situation kommen sollte. Ich hoffe aber, daß das nicht mehr so schnell passiert. Ich glaube, mir ist es schon wieder viel zu gut gegangen.
Eins muß ich auch erkennen, ich kann andere Menschen nicht ändern oder erwarten, daß sie auf mich Rücksicht nehmen, ich muß für mich entscheiden, was für mich richtig ist und doch noch öfter auf meine Familie hören, die mein Verhalten doch kritisch überwacht, ihnen vor allen Dingen dann nicht so heftig widersprechen, sie scheinen doch wohl recht zu haben.
Ich hoffe, daß die Erkenntnis, die ich aus diesem Hörsturz gezogen habe, lange nachwirkt, und ich besser mit mir umgehe.
