Prof. Zenner in Medical Tribune vom 10.3.2000: Zirka eine Milliarde Mark werden jährlich für gefäßerweiternde Mittel bei den Indikationen Hörsturz und Tinnitus ausgegeben. Nach Meinung von Professor Dr. Hans-Peter Zenner, HNO-Universität Tübingen, ist diese Therapie nicht nur nicht "evidence based medicine" gesichert, sondern kontraindiziert.
Der Hörsturz ist eine plötzliche Innenohrschwerhörigkeit unbekannter Ursache, so Prof. Zenner. Relativ klar ist eigentlich nur eines: der Zusammenhang mit hypotonen Blutdruckkrisen, insbesondere mit nächtlichen Hypotonien. Im Anschluss an diese werden Hörstürze nämlich besonders häufig beobachtet. Aus dem genannten Zusammenhang ergibt sich nämlich als Postulat für die Behandlung, dass gefäßerweiternde Mittel unangebracht sind, weil sie die Hypotonie verstärken mit der Folge, dass die eigene Durchblutung der Stria vasculata unterbrochen wird. Prof. Zenner ließ keinen Zweifel daran, dass er gefäßerweiternde Mittel beim Hörsturz für absolut kontraindiziert hält.
Dr. Greuel: Seit 20 Jahren warne auch ich vor der klassischen Infusionstherapie bei Hörsturz und Tinnitus, weil sie nicht die Durchblutung der Ohren verbessern kann, sondern nur die des Bauchraumes. Aus Gründen der falschen Blutverteilung gibt es unter der Infusionstherapie Hörsturzrezidive. So etwas gibt es auch beim klassischen Autogenen Training, Sport und Sauna, weil auch dabei das Blut in andere Organe gelangt und weniger ins Ohr.
Herrn Prof. Zenner muß ich in folgenden Punkten wiedersprechen: Der Hörsturz ist keine Störung unbekannter Ursache. Es handelt sich um eine erworbene Fehlfunktion des Autonomen Nervensystems, die sich sowohl im Ohr als vorübergehende Innenohrschwerhörigkeit, als auch u.A. in hypotonen Blutdruckkrisen äußert.